Naturphänomene sind selten, sagen die Einen. Man muß nur die Augen öffnen, dann kann man sie gar nicht übersehen, sagen die Anderen. Beide haben Recht – und beide irren. Natürlich gibt es jede Menge phänomenale Dinge in der uns umgebenden Natur. Aber man muß schon wissen, wonach man sucht. Denn nur was man kennt, sieht man auch.
Ein solches Naturphänomen ist der Berg Borec (deutsch: Boretzer Berg, früher auch Kahler Berg oder Kahleberg) im Böhmischen Mittelgebirge (Ceske Stredohory).
Auf den ersten Blick hat dieser Berg nichts besonderes. Er ist weder besonders hoch noch anstrengend zu ersteigen. Für Touristen ist er auch deshalb wenig attraktiv, weil sich auf ihm keine Schankwirtschaft befindet. So etwas schreckt ab. Doch urteilen Sie selbst: klicken Sie auf den Link und bilden Sie sich ihre eigene Meinung. Die ersten 26 Fotos stammen aus dem Jahre 2009 und wurden mit einem iPhone aufgenommen. Die mangelnde Qualität bitte ich zu entschuldigen.
Für den Naturliebhaber ist dieser Berg jedoch etwas ganz Besonderes. Seinem vulkanischen Ursprung verdankt er es, daß er im Inneren von zahlreichen Klüften durchzogen ist, die zu jeder Jahreszeit eine Kaminwirkung entfalten (Skizze: Wikipedia). Während im Sommer an den Bergflanken kühle Luft austritt, bleibt im Winter der Gipfelbereich rund um die Austrittsöffnungen auch beim strengsten Frost schneefrei. Die ausströmende Luft erreicht nicht selten Temperaturen von 10° C und mehr; selbst 18° C sind keine Seltenheit. Man kann also auch im kältesten Winter auf dem Gipfel des Rauchenden Berges seine Handschuhe ausziehen und sich an der ausströmenden, warmen Luft erwärmen. Rund um die Austrittsöffnungen wächst auch im Winter grünes Moos und man ist geneigt, die unwirtliche Kälte für kurze Zeit zu vergessen. Der warmen und feuchten Luft, die beim Austritt als nebliger Wasserdampf wahrgenommen wird, verdankt der Berg seinen Beinamen und zugleich seine Einzigartigkeit. Ja, er “raucht”. Je strenger der Frost, desto sichtbarer “raucht” der Borec. Eine Laune der Natur, die sich auch dann noch manifestiert, wenn wir unwissend sind oder sie ignorieren. Um wieviel schöner ist es jedoch, sie bewußt genießen zu können. Man muß nur wissen, wonach man sucht – oder jemanden fragen, der sich mit so etwas auskennt.;)